Der 22. Juli 2016 bleibt für viele Münchner ein unvergesslicher Tag des Schreckens. Während das Wetter sommerlich und einladend war, geriet das Leben vieler Familien plötzlich aus den Fugen. Hasan Leyla erhielt einen Anruf von seiner Frau, der sein Leben für immer verändern sollte: Ihr 14-jähriger Sohn Can war im Olympia-Einkaufszentrum, als die Schüsse fielen.

Der Schock und die Panik erfassten Hasan Leyla in diesem Moment. "Ich habe alles stehen und liegen gelassen, um mein Kind zu finden", erinnerte sich Leyla. Doch was er erlebte, war der Beginn eines unvorstellbaren Albtraums, den er und die anderen Eltern der neun Opfer bis heute durchleben müssen.

In den letzten zehn Jahren haben die trauernden Eltern nicht nur um ihre Kinder geweint, sondern auch um die Gerechtigkeit. Der Anschlag, der von einem 18-jährigen Täter verübt wurde, hinterließ nicht nur physische, sondern auch seelische Narben, die bis heute schmerzen. "Es ist nicht genug, dass wir unsere Kinder verloren haben. Wir fordern Gerechtigkeit und eine klare Haltung gegen Rassismus und Gewalt", betont Leyla.

Viele der überlebenden Familien haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um gemeinsam für ihre Rechte und die Erinnerung an die Opfer zu kämpfen. In Gesprächen mit Politikern und in öffentlichen Veranstaltungen versuchen sie, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. "Wir wünschen uns, dass unsere Kinder nicht vergessen werden und dass solche Taten nie wieder geschehen", sagte eine betroffene Mutter.

Der zehnte Jahrestag des Anschlags bietet den Familien die Möglichkeit, nicht nur zu trauern, sondern auch zu reflektieren, was seitdem erreicht wurde. Während einige Fortschritte in der Bekämpfung von Extremismus und Rassismus erzielt wurden, bleibt viel zu tun. Die Eltern hoffen, dass ihr Engagement dazu beiträgt, das Bewusstsein zu schärfen und zukünftige Generationen zu sensibilisieren.

Ein Gedenkakt zum zehnten Jahrestag ist geplant, bei dem die Namen der Opfer verlesen werden sollen. Es ist ein Moment des stillen Gedenkens, aber auch eine Möglichkeit, die Wut und den Schmerz in eine kraftvolle Botschaft für Veränderung zu verwandeln.