Baldham/Glonn – Anja Gründel, eine 59-jährige Frau aus Baldham, musste am vergangenen Wochenende eine schmerzhafte Erfahrung machen, als ihr der Zutritt zum Freibad Kastensee in Glonn verweigert wurde. Der Grund: Sichtbare Hautveränderungen, die durch ihre genetisch bedingte Erkrankung Morbus Recklinghausen hervorgerufen werden.

Morbus Recklinghausen, auch bekannt als Neurofibromatose Typ 1, ist eine Erkrankung, die sich unter anderem durch gutartige Tumore äußert. Diese können am ganzen Körper erscheinen, was zur Stigmatisierung und zu Missverständnissen führt. Gründel betont, dass die Krankheit nicht ansteckend ist und sie sich beim Schwimmen im Freibad nicht anders verhalten hätte als andere Badegäste.

„Ich wollte einfach nur einen schönen Tag im Freibad verbringen“, erklärt Gründel. „Die Entscheidung des Betreibers hat mich sehr getroffen. Es ist traurig, dass Menschen aufgrund von sichtbaren Symptomen ausgeschlossen werden.“ Der Betreiber des Freibades, der sich auf sein Hausrecht beruft, stellte fest, dass die Entscheidung im Interesse der anderen Badegäste getroffen wurde.

„Letzten Endes habe ich das Hausrecht“, sagte ein Sprecher des Freibades. „Wir müssen die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Gäste gewährleisten, und in diesem speziellen Fall haben wir uns für eine vorsichtige Vorgehensweise entschieden.“ Diese Erklärung hat jedoch für Empörung gesorgt, und zahlreiche Unterstützer haben Gründel ihre Solidarität bekundet.

Die Situation wirft eine wichtige Frage auf: Wo endet das Hausrecht, und wo beginnt die Diskriminierung? Menschen mit sichtbaren Erkrankungen müssen sich oft mit Vorurteilen und Missverständnissen auseinandersetzen, was in diesem Fall besonders deutlich wird. Experten fordern eine Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Gründel plant, rechtliche Schritte zu prüfen, um gegen die Diskriminierung vorzugehen. „Ich will nicht, dass andere Menschen ähnliche Erfahrungen machen müssen. Es ist wichtig, dass wir uns für ein respektvolles Miteinander einsetzen“, sagt sie entschlossen.