München (dpa) - Die Situation in der deutschen Industrie verschärft sich, da immer mehr Unternehmen über anhaltende Materialengpässe berichten. Im Juni 2023 gaben 17,2 Prozent der Befragten an, von solchen Engpässen betroffen zu sein, ein Anstieg um 1,3 Punkte im Vergleich zum Vormonat Mai. Dies stellt eine signifikante Erhöhung dar, wenn man bedenkt, dass der Wert im Januar nur bei 5,8 Prozent lag.
Klaus Wohlrabe, der Leiter der Ifo-Umfragen, erklärte: „Obwohl die Straße von Hormus wieder passierbar ist, haben die früheren Störungen langfristige Auswirkungen auf die Lieferketten.“ Diese Entwicklungen werfen einen Schatten auf die Erholung der Industrie und deuten darauf hin, dass die Herausforderungen noch nicht überwunden sind.
Besonders betroffen sind Branchen, die auf spezifische Rohstoffe angewiesen sind. Die Engpässe sind nicht nur auf die geopolitischen Spannungen zurückzuführen, sondern auch auf verzögerte Lieferungen und Produktionsprobleme in den Ländern, von denen Deutschland die meisten Materialien bezieht.
Die steigenden Materialengpässe könnten sich auf die gesamte wirtschaftliche Lage in Deutschland auswirken. Analysten warnen davor, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie weiter leiden könnte, wenn die Situation nicht schnell verbessert wird.
„Unternehmen müssen sich anpassen und alternative Bezugsquellen finden“, fügte Wohlrabe hinzu. Das Ifo-Institut fordert daher politische Unterstützung, um die Unternehmen in dieser schwierigen Lage zu entlasten, insbesondere durch Maßnahmen zur Stabilisierung der Lieferketten.