Stuttgart (dpa) - Der Chef des Energieunternehmens Baden-Württemberg (EnBW), Georg Stamatelopoulos, hat die Bundesregierung aufgefordert, ihre ehrgeizigen Ausbauziele für die Offshore-Windkraft zu überdenken. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" äußerte er Bedenken hinsichtlich der Bezahlbarkeit des Projekts und schlägt vor, die Zielvorgaben anzupassen.

Aktuell strebt die Bundesregierung an, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie auf See bis zum Jahr 2030 auf mindestens 30 Gigawatt (GW) zu erhöhen. Bis 2045 sollen sogar 70 GW erreicht werden. Stamatelopoulos sieht es jedoch als notwendig an, die ehrgeizigen Pläne nach 20 Jahren zu hinterfragen.

„Wir müssen die Bezahlbarkeit im Auge behalten. Ein niedrigeres Ausbauziel wäre eine sinnvolle Korrektur“, betonte der EnBW-Chef. Er erklärte, dass es nicht darum gehe, den Ausbau zu bremsen, sondern vielmehr darum, die Rahmenbedingungen für eine realistische und nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Die Offshore-Windenergie sei zwar ein zentraler Bestandteil der deutschen Energiewende, doch zugleich müsse sichergestellt werden, dass die Kosten für die Verbraucher nicht aus dem Ruder laufen. Stamatelopoulos fordert eine Diskussion über die Balance zwischen ambitionierten Zielen und der wirtschaftlichen Tragbarkeit.

Die Branche steht vor Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Genehmigungsverfahren und die Verfügbarkeit von Flächen. Diese Faktoren könnten die realistische Verwirklichung der bisherigen Ausbauziele erheblich beeinflussen. Eine Anpassung der Ziele könnte helfen, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern und gleichzeitig die notwendige Infrastruktur zu schaffen.

In der politischen Debatte rund um die Energiewende ist die Offshore-Windkraft ein heiß umstrittenes Thema. Während einige Akteure auf die Dringlichkeit der Klimaziele hinweisen, warnen andere vor den Risiken, die ein zu schneller Ausbau mit sich bringen könnte.

Stamatelopoulos’ Aussagen könnten ein Signal für eine Wende in der Diskussion um den Windkraftausbau darstellen, bei der pragmatische Ansätze und die Bedürfnisse der Verbraucher stärker in den Vordergrund rücken.